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Auf dem Land fehlen Läden. Über 16.000 Lebensmittelgeschäfte haben seit 2005 geschlossen, und jede Woche werden es mehr. Smart Stores mit Self-Scanning, Self-Checkout und modernen Zutrittssystemen können diese Lücke wirtschaftlich schliessen. In diesem zweiten Teil unserer Whitepaper-Serie vergleiche ich die Technologien, zeige drei Trägermodelle für Gemeinden und gebe einen konkreten Fünf-Schritte-Plan für den Weg zum eigenen Dorfladen. Alles aus meiner Erfahrung als Betreiber und aus der Beratung von Kommunen und Genossenschaften.
Über diese Whitepaper-Serie
Dieser Artikel ist der zweite Teil einer dreiteiligen Serie. Wenn Sie Direktvermarkter sind und sich für Container- und Boxlösungen interessieren, lesen Sie zuerst Teil 1: Direktvermarkter, Fachhandel und Container-Lösungen. Hier geht es um die größere Frage: Wie können Smart Stores ganze Dörfer versorgen?
Verfügbare Ausstattungskategorien
- Kühlregale & Tiefkühltruhen
- Self-Checkout-Terminals
- Zugangs- & Schließsysteme
- Videoüberwachung
- Warenwirtschaftssoftware
- Regalsysteme & Ladeneinrichtung
- Beleuchtung & Klimatechnik
- Digital Signage & Preisschilder
Nahversorgung im ländlichen Raum: Die aktuelle Lage
Ladenschliessungen und Versorgungslücken in Zahlen
Als bei uns in Schöneburg der letzte Laden dichtgemacht hat, war das ein Schock für den ganzen Ort. Plötzlich mussten die Leute für jeden Liter Milch ins Auto steigen. Für ältere Menschen ohne Führerschein war das ein echtes Problem. So geht es gerade Tausenden Gemeinden in Deutschland.
Über 16.000 Lebensmittelgeschäfte haben seit 2005 geschlossen. In ländlichen Regionen ist die Situation besonders dramatisch: Rund 35 Prozent aller Gemeinden unter 5.000 Einwohnern haben keinen einzigen Lebensmittelladen mehr. Die Leute müssen im Schnitt 7,4 Kilometer zum nächsten Supermarkt fahren. Für Familien ohne Zweitwagen und für Senioren ist das eine Zumutung.
Demografischer Wandel und seine Folgen
Das Problem wird nicht kleiner. In vielen ländlichen Regionen steigt der Anteil der über 65-Jährigen auf 30 Prozent und mehr. Gleichzeitig ziehen jüngere Menschen weg. Was bleibt, sind Gemeinden mit alternder Bevölkerung und sinkender Kaufkraft. Für einen klassischen Supermarkt lohnt sich das nicht mehr. Aber für einen Smart Store mit niedrigen Betriebskosten? Sehr wohl.
Ich sehe das in meiner Beratung immer wieder: Bürgermeister, die sagen: Wenn wir keinen Laden haben, zieht hier niemand mehr hin. Der Laden ist mehr als Nahversorgung. Er ist ein Stück Lebensqualität und ein Argument, warum junge Familien bleiben sollen. Genau deshalb engagieren sich Kommunen inzwischen so stark.
Warum klassische Lösungsansätze nicht ausreichen
Rollende Supermärkte, Lieferdienste, Bürgerbusse zum Einkaufen — alles schon probiert. Alles nur Pflaster. Ein fahrender Händler kommt zweimal pro Woche und bietet eine begrenzte Auswahl. Lieferdienste aus der Stadt sind teuer und kommen nicht in jedes Dorf. Und der Bürgerbus zum EDEKA in der Kreisstadt lohnt sich nur für die, die noch mobil genug sind, schwere Tüten zu tragen.
Ein SB-Dorfladen bietet etwas, das keiner dieser Ansätze kann: Er ist immer da. 24 Stunden, 7 Tage. Die Butter ist um 6 Uhr morgens genauso verfügbar wie um 22 Uhr abends. Und er braucht nur einen Bruchteil des Umsatzes, den ein klassischer Supermarkt zum Überleben braucht.
Smart Stores als Antwort auf die Nahversorgungskrise
Welche Smart-Store-Formate für ländliche Räume taugen
Nicht jeder Smart Store passt auf jedes Dorf. Aus meiner Erfahrung funktionieren drei Formate besonders gut: Der autonome SB-Dorfladen mit 40 bis 80 Quadratmetern und 800 bis 1.500 Artikeln. Der hybride Dorfladen, der autonomen Betrieb mit Personalzeiten kombiniert. Und der Containerstore mit 15 bis 30 Quadratmetern für kleinere Orte unter 500 Einwohnern.
Die Wahl hängt von drei Faktoren ab: Einwohnerzahl im Einzugsgebiet, verfügbare Immobilie und Trägermodell. Für Gemeinden mit 1.000 bis 3.000 Einwohnern empfehle ich fast immer das Hybridmodell. Die Kombination aus Technik und Mensch erreicht die breiteste Zielgruppe — vom Teenager bis zur 85-jährigen Rentnerin.
Kommunale vs. private vs. genossenschaftliche Trägermodelle
Wer betreibt den Laden? Das ist oft die schwierigste Frage. In meiner Beratung von Gemeinden bespreche ich drei Modelle, jedes mit klaren Vor- und Nachteilen.
| Trägermodell | Investition | Verantwortung | Bürgernähe |
|---|---|---|---|
| Kommunal betrieben | Gemeinde trägt Kosten, Förderfähig | Gemeinde als Betreiber | check Hoch |
| Genossenschaft | Genossenschaftsanteile der Bürger | Vorstand und Mitglieder | check Sehr hoch |
| Privater Betreiber | Eigenkapital, ggf. Förderung | Unternehmer allein | Mittel |
Das Genossenschaftsmodell hat in den letzten zwei Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Ich beobachte das gerade in Bayern und Baden-Württemberg. Die Bürger kaufen Anteile für 100 bis 500 Euro, fühlen sich als Miteigentümer und unterstützen den Laden aktiv. In einem Projekt in Oberfranken haben sich innerhalb von drei Wochen über 200 Bürger als Genossen eingetragen. Der Laden gehört dem Dorf. Das schafft Identifikation.
Erfolgsfaktoren für ländliche Smart Stores
Aus meiner Beratung von über 20 kommunalen Projekten kristallisieren sich drei Erfolgsfaktoren heraus. Erstens: Die Gemeinde muss hinter dem Projekt stehen. Nicht nur finanziell, sondern aktiv. Bürgermeister, die den Laden bewerben, bei der Eröffnung dabei sind und regelmäßig einkaufen. Zweitens: Das Sortiment muss den Tagesbedarf abdecken. Brot, Milch, Eier, Butter, Aufschnitt, Nudeln, Gemüse. Wenn die Leute für die Hälfte ihrer Einkaufsliste trotzdem zum Supermarkt fahren müssen, kommt der Laden nicht in Schwung.
Drittens: Die Technik muss für alle bedienbar sein. Auch für die 78-jährige Oma, die noch nie eine App benutzt hat. Das ist der Punkt, an dem ich in der Beratung am meisten kämpfen muss. Manche Anbieter setzen voll auf Smartphone-Zugang. Ich rate davon ab. Eine Kundenkarte, die man an die Tür hält, funktioniert in jeder Altersgruppe.
Self-Scanning: Technologie und Einsatz
Wie Self-Scanning funktioniert
Self-Scanning bedeutet: Der Kunde scannt die Produkte selbst, während er sie ins Regal oder in den Einkaufskorb legt. Am Ende geht er zur Kasse, bezahlt die gescannte Summe und ist fertig. Das spart Personal und beschleunigt den Einkauf. Für einen Smart Store ist das eine Schlüsseltechnologie.
In der Praxis gibt es drei Varianten, die ich aus eigener Anschauung kenne. Jede hat ihre Stärken, und die richtige Wahl hängt vom Ladenformat und der Zielgruppe ab.
Handscanner vs. Smartphone-App vs. Tunnel-Scanner
| Scanning-Methode | Kosten pro Einheit | Kundenakzeptanz | Ideal für |
|---|---|---|---|
| Handscanner (stationär) | 200-500 EUR | check Sehr hoch | Kleine bis mittlere Läden, alle Altersgruppen |
| Smartphone-App | 0 EUR (App-Entwicklung separat) | Mittel | Technikaffine Zielgruppen, urbane Standorte |
| Tunnel-Scanner (automatisch) | 8.000-25.000 EUR | check Hoch | Größere Formate ab 60 m² |
Für ländliche Dorfläden empfehle ich fast immer den stationären Handscanner. Der Kunde nimmt das Gerät am Eingang, scannt jedes Produkt beim Einpacken und gibt den Scanner am Ausgang wieder ab. Das kennen viele schon aus dem EDEKA oder Globus. Die Lernkurve ist minimal.
Die Smartphone-App ist eine gute Ergänzung, aber kein Ersatz. In einem Dorf mit hohem Seniorenanteil würde ich niemals nur auf die App setzen. Das habe ich einem Anbieter letztens in einem Beratungsgespräch deutlich gesagt. Er wollte alles über die App laufen lassen. Ich habe ihm vorgerechnet, dass er damit 30 bis 40 Prozent seiner potenziellen Kunden ausschliesst.
Self-Checkout: Vom Discounter zum Dorfladen
Self-Checkout-Kassensysteme im Vergleich
Self-Checkout kennen Sie vielleicht vom IKEA oder aus dem Baumarkt. Im Smart Store funktioniert es ähnlich, nur kleiner und einfacher. Der Kunde scannt seine Waren an einer Kasse, bezahlt per Karte oder Smartphone und geht. Kein Personal nötig.
Für Dorfläden gibt es mittlerweile kompakte Self-Checkout-Systeme, die nicht mehr kosten als ein guter Fernseher. Einstiegsmodelle starten bei 3.500 Euro. Professionelle Systeme mit Waage, Tütenwechsel und Diebstahlschutz liegen bei 8.000 bis 15.000 Euro. Für einen Laden mit 1.000 Artikeln reicht ein bis zwei Kassen völlig aus.
Kundenakzeptanz und Usability
Die größte Sorge, die mir Bürgermeister mitteilen: Können unsere Aelteren das bedienen? Aus meiner Erfahrung: Ja, wenn das System gut gemacht ist. Große Touchscreens mit klarer Beschriftung, maximal drei Schritte bis zur Bezahlung, und eine gut sichtbare Hilfe-Taste. Bei meinem eigenen SB-Lädle hat die aelteste Stammkundin gerade ihren 84. Geburtstag gefeiert. Sie kommt dreimal die Woche und hat keinerlei Probleme.
Was hilft: Eine Einführungswoche mit Personal vor Ort, das jedem Kunden zeigt, wie es geht. In einem Projekt in der Oberpfalz haben wir das so gemacht. Nach zehn Tagen brauchte niemand mehr Hilfe. Die Investition in diese Anlernphase zahlt sich mehrfach aus, weil zufriedene Kunden wiederkommen und ihren Nachbarn davon erzählen.
Diebstahlprävention beim Self-Checkout
Ehrlich gesagt: Diebstahl ist bei Self-Checkout ein Thema. Im Grosshandel liegt die Schwundrate bei Self-Checkout-Kassen höher als bei bedienten Kassen. Aber im Dorfladen ist die Situation eine andere. Die Leute kennen sich. Anonymität — der Haupttreiber für Gelegenheitsdiebstahl — gibt es in einem Dorf mit 1.500 Einwohnern kaum.
Trotzdem empfehle ich eine Videoüberwachung und ein Zutrittssystem mit Registrierung. Wenn jeder Kunde beim Betreten identifiziert wird, sinkt die Versuchung erheblich. Bei den Läden, die ich berate, liegt die Schwundrate unter 2 Prozent. Das ist weniger als in manchen bedienten Supermärkten.
Zutrittssysteme für unbemannte Betriebszeiten
Kartenzutritt, App-Zutritt und biometrische Systeme
Der Zutritt ist das erste, was der Kunde erlebt. Wenn er vor einer verschlossenen Tür steht und nicht reinkommt, haben Sie ihn verloren. Deshalb ist die Wahl des Zutrittssystems so wichtig. Ich kenne drei Systeme aus der Praxis.
Kundenkarten mit NFC-Chip sind mein Favorit für ländliche Standorte. Der Kunde registriert sich einmal, bekommt eine Karte und hält sie an den Leser. Fertig. Kein Smartphone nötig, kein Passwort, kein App-Download. Die Karten kosten 2 bis 4 Euro pro Stück. Bei meinem SB-Lädle nutzen über 80 Prozent der Kunden die Karte, obwohl es auch eine App gäbe.
App-basierter Zutritt ist sinnvoll als Ergänzung. Jüngere Kunden nutzen ihn gerne, weil sie sowieso alles über das Smartphone machen. Biometrische Systeme — also Gesichtserkennung oder Fingerabdruck — sind technisch möglich, aber in Deutschland aus Datenschutzgründen problematisch. Ich rate aktuell davon ab.
Altersverifikation und Jugendschutz
Wenn Sie Alkohol oder Tabak verkaufen wollen, müssen Sie die Altersverifikation lösen. In einem 24/7-Laden ohne Personal ist das eine technische Herausforderung. Die gängigste Lösung: Altersfreigabe bei der Registrierung, verifiziert über den Personalausweis. Manche Systeme nutzen den eID-Chip im Ausweis, andere akzeptieren einen einmaligen Ausweis-Scan.
In der Praxis funktioniert das reibungslos. Ein Betreiber, den ich berate, hat den Alkoholbereich in einem separaten Kühlschrank untergebracht, der sich nur für verifizierte Erwachsene oeffnet. Das Ordnungsamt war bei der Kontrolle zufrieden. Wichtig ist, dass Sie die Lösung vor der Eröffnung mit Ihrer zuständigen Behörde abstimmen.
Fallstudien: Ländliche Nahversorgung per Smart Store
Genossenschaftlich getragener Dorfladen mit Self-Checkout
Eine Gemeinde in Oberfranken, 1.800 Einwohner, kein Laden seit 2021. Der Bürgermeister hat mich kontaktiert, nachdem er einen Vortrag von mir gehört hatte. Gemeinsam haben wir eine Genossenschaft gegründet. Innerhalb von drei Wochen hatten wir 220 Genossen mit Anteilen von je 200 Euro — das waren 44.000 Euro Eigenkapital.
Dazu kamen 50.000 Euro kommunale Förderung und ein zinsvergünstigter KfW-Kredit. Der Laden hat 65 Quadratmeter, 1.200 Artikel, zwei Self-Checkout-Kassen und einen NFC-Kartenzugang. Morgens von 7 bis 10 Uhr ist eine Mitarbeiterin da, die Frischware auffüllt und Stammkunden begrüßt. Der Rest läuft autonom. Nach acht Monaten liegt der Monatsumsatz bei 22.000 Euro. Break-even war nach sechs Monaten erreicht.
Kommunales Nahversorgungsprojekt mit 24/7-Zutritt
Anderes Beispiel, andere Region: Eine Gemeinde in Niedersachsen, 2.400 Einwohner. Hier hat die Kommune selbst investiert und betreibt den Laden als kommunalen Eigenbetrieb. Die Investition lag bei 180.000 Euro für einen Neubau mit 80 Quadratmetern. 60.000 Euro kamen aus dem Bundesprogramm LandVersorgt.
Das Besondere an diesem Projekt: Es gibt eine hybride Lösung mit drei Stunden Personal am Tag und 21 Stunden autonomem Betrieb. Die Gemeinde hat zwei Teilzeitkräfte eingestellt. In den Personalstunden werden Backwaren verkauft, Bestellungen ausgegeben und Fragen beantwortet. Abends und nachts läuft alles über Self-Scanning und Kartenzutritt. Der Laden hat sich zum sozialen Treffpunkt entwickelt. Der Bürgermeister sagt: Das ist das Beste, was wir für unsere Gemeinde getan haben.
Förderung nutzen: Über 120 Gemeinden in Deutschland fördern Smart Store Projekte mit Zuschüssen von 15.000 bis 80.000 Euro. Auf Bundesebene gibt es das Programm LandVersorgt mit bis zu 100.000 Euro. Bayern hat das Landesprogramm Nahversorgung 2030 aufgelegt — bis zu 50.000 Euro pro Standort. Ich helfe meinen Beratungskunden regelmäßig dabei, diese Fördertöpfe zu finden und die Anträge richtig zu stellen.
Handlungsempfehlungen für Gemeinden und Investoren
5 Schritte zum Smart Store im ländlichen Raum
Ihr Weg zum Smart Store in 5 Schritten
- arrow_forwardBedarf ermitteln und Bürger einbinden: Machen Sie eine Bürgerbefragung. Wie weit ist der nächste Laden? Was fehlt am meisten? Wie viele würden regelmäßig einkaufen? Diese Daten brauchen Sie für die Förderanträge und für Ihre eigene Kalkulation.
- arrow_forwardTrägermodell wählen: Kommunal, genossenschaftlich oder privat? Jedes Modell hat Stärken. Für Gemeinden unter 3.000 Einwohnern empfehle ich das Genossenschaftsmodell, weil es die größte Bürgerbeteiligung schafft und das Risiko verteilt.
- arrow_forwardStandort und Immobilie sichern: Idealerweise zentral im Ort, gut sichtbar und erreichbar. Ein leerstehendes Ladenlokal ist perfekt. Wenn keins verfügbar ist, kommt ein Container oder Modulbau in Frage. Klären Sie Baurecht und Erschliessung frühzeitig.
- arrow_forwardFörderung beantragen: Stellen Sie Anträge bei Kommune, Land und Bund parallel. Die Bearbeitung dauert oft drei bis sechs Monate. Starten Sie damit so früh wie möglich. Und lassen Sie sich beraten — falsch gestellte Anträge kosten Zeit und Geld.
- arrow_forwardTechnik wählen und eröffnen: Holen Sie mindestens drei Anbieterangebote ein. Planen Sie eine Einführungswoche mit Personal. Und feiern Sie die Eröffnung mit der ganzen Gemeinde — das ist die beste Werbung, die es gibt.
Fördermöglichkeiten und Finanzierungswege
Die Förderlandschaft für ländliche Nahversorgung ist so gut wie nie zuvor. Auf Bundesebene gibt es LandVersorgt mit bis zu 100.000 Euro. LEADER-Förderung aus EU-Mitteln deckt bis zu 50 Prozent der Investitionskosten. Dazu kommen Landesprogramme — Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen haben die umfangreichsten.
Mein Rat: Kombinieren Sie mehrere Förderquellen. Bei dem Projekt in Oberfranken haben wir kommunale Mittel, Genossenschaftsanteile und einen KfW-Kredit kombiniert. Der Eigenanteil der Genossenschaft lag am Ende bei unter 20 Prozent der Gesamtinvestition. Das ist machbar für fast jede Gemeinde, die es ernst meint.
Chancen für ländliche Smart Stores
Herausforderungen
Fazit Teil 2: Self-Service-Technologie macht Nahversorgung tragfähig
Die Technologie ist da. Self-Scanning, Self-Checkout und moderne Zutrittssysteme machen es möglich, einen Laden wirtschaftlich zu betreiben, der früher nicht funktioniert hätte. Kein Laden ersetzt den persönlichen Kontakt vollständig — deshalb empfehle ich fast immer ein hybrides Konzept. Aber die Technik nimmt dem Betreiber die Arbeit ab, die kein Mensch mehr machen will oder kann.
Wenn Sie Bürgermeister, Gemeinderat oder engagierter Bürger sind und für Ihren Ort einen Smart Store aufbauen möchten: Der wichtigste erste Schritt ist die Bürgerbefragung. Finden Sie heraus, was die Leute wirklich brauchen. Alles andere ergibt sich daraus. Im dritten und letzten Teil dieser Serie fasse ich die Erkenntnisse zusammen, zeige Ihnen die Marktprognosen bis 2030 und gebe konkrete Handlungsempfehlungen für alle Zielgruppen.
Häufige Fragen (FAQ)
Was kostet ein Self-Checkout-System für einen Dorfladen?
Einstiegsmodelle starten bei 3.500 Euro pro Kasse. Professionelle Systeme mit Waage und Diebstahlschutz liegen bei 8.000 bis 15.000 Euro. Für einen Laden mit bis zu 1.500 Artikeln reichen ein bis zwei Kassen. Dazu kommen monatliche Softwaregebühren von 50 bis 200 Euro. In meinen Beratungsprojekten sehe ich, dass die Investition sich durch die Personaleinsparung innerhalb von 12 bis 18 Monaten amortisiert.
Wie akzeptieren ältere Kunden Self-Scanning?
Besser als die meisten erwarten. Der Schlüssel ist eine Einführungsphase mit Personal, das jeden Kunden einzeln anleitet. Nach ein bis zwei Wochen kommen die allermeisten alleine klar. Wichtig: Stationäre Handscanner statt Smartphone-App anbieten, grosse Touchscreens mit klarer Beschriftung und maximal drei Bedienschritte. Bei meinem SB-Lädle kauft die aelteste Stammkundin mit 84 Jahren problemlos ein.
Welche Förderprogramme gibt es für ländliche Smart Stores?
Eine ganze Menge. Auf Bundesebene fördert LandVersorgt mit bis zu 100.000 Euro. LEADER-Mittel aus der EU decken bis zu 50 Prozent der Investitionskosten. Bayern hat das Programm Nahversorgung 2030 mit bis zu 50.000 Euro pro Standort. Dazu kommen über 120 kommunale Programme mit 15.000 bis 80.000 Euro Zuschuss. Mein Tipp: Kombinieren Sie mehrere Quellen und starten Sie die Anträge möglichst früh.
Kann ein Smart Store einen klassischen Dorfladen ersetzen?
Ersetzen nicht vollständig, aber die wichtigsten Funktionen übernehmen: Tagesbedarf decken, Grundversorgung sicherstellen, Treffpunkt bieten. Ein hybrides Modell mit zeitweiser Personalbesetzung kommt dem klassischen Dorfladen am nächsten. Was fehlt: die Beratung beim Metzger, der Schwatz mit der Bäckerin. Deshalb setze ich auf Hybridkonzepte, die beides verbinden — moderne Technik und menschlichen Kontakt.
- check_circle35 Prozent aller Gemeinden unter 5.000 Einwohnern haben keinen Lebensmittelladen mehr. Smart Stores können diese Lücke wirtschaftlich schliessen — ab einem Einzugsgebiet von 800 bis 1.000 Einwohnern.
- check_circleStationäre Handscanner und einfache Kundenkarten sind die beste Technologiewahl für ländliche Standorte. Smartphone-Zwang schliesst zu viele Kunden aus.
- check_circleDas Genossenschaftsmodell hat sich als stärkstes Trägermodell für ländliche Smart Stores etabliert. Es verteilt das Risiko und schafft echte Bürgerbeteiligung.
- check_circleFörderungen von Kommune, Land und Bund lassen sich kombinieren. In guten Fällen liegt der Eigenanteil unter 20 Prozent der Gesamtinvestition.
- check_circleEine Einführungswoche mit Personal vor Ort ist die wichtigste Einzelmassnahme für die Kundenakzeptanz. Investieren Sie diese Zeit — sie zahlt sich hundertfach aus.
- Self-Scanning
- Der Kunde scannt seine Produkte während des Einkaufs selbst — entweder mit einem Handscanner, dem Smartphone oder an einem Tunnel-Scanner. Am Ende wird die Summe automatisch abgerechnet. Im Smart Store die gängigste Methode, um ohne Kassenpersonal auszukommen.
- Self-Checkout
- Eine Selbstbedienungskasse, an der Kunden ihre Waren eigenständig scannen, wiegen und bezahlen. Im Dorfladen reichen kompakte Systeme ab 3.500 Euro. Große Touchscreens und wenige Bedienschritte machen sie auch für ältere Kunden gut nutzbar.
- NFC-Kartenzugang
- Ein Zutrittssystem, bei dem der Kunde eine Plastikkarte mit eingebautem Chip an einen Leser hält. Die Tür oeffnet sich automatisch. NFC steht für Near Field Communication — die gleiche Technik, die auch beim kontaktlosen Bezahlen mit Karte funktioniert. Einfach, zuverlässig, für alle Altersgruppen geeignet.
- Genossenschaftsmodell
- Eine Rechtsform, bei der die Bürger eines Ortes Anteile kaufen und damit Miteigentümer des Ladens werden. Typische Anteile liegen bei 100 bis 500 Euro. Der Laden gehört dem Dorf. Entscheidungen werden demokratisch getroffen. Das stärkste Modell für Bürgerbeteiligung und Identifikation.
- LandVersorgt
- Ein Bundesprogramm des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, das innovative Nahversorgungskonzepte im ländlichen Raum mit bis zu 100.000 Euro fördert. Zielt besonders auf Smart Stores, Dorfläden und Genossenschaftsprojekte. Die Antragsphase läuft bis 2027.